Börse | Geld | Vermögen – Juli 2022

Kaufen, halten, verkaufen? Wer weiß das schon (Warren Buffett)? Immer im Markt bleiben (Charlie Munger)! Niemand war je in der Lage, die Börse vorherzusagen. Es ist eine totale Zeitverschwendung. In der von Forbes veröffentlichten Hitparade der Reichen der Welt war noch nie ein Börsentiming-Experte vertreten (Peter Lynch)! Wohin also mit unserem Zaster in rauer See? Zumindest nicht in Kryptos! Zu Jahresbeginn war die Welt noch schwer in Ordnung. Es wurden hochintellektuelle Diskussionen darüber geführt, ob die aufkeimende Inflation vorübergehend oder langfristig sei. Wir haben hier Frau Schnabel kommentiert und kritisiert. Mittlerweile haben sich die Krisen überlagert, es brennt unter dem Hut und mittlerweile auch der Kittel, überall und lichterloh. Zur EZB: Hier lagern aus der Politik des leichten Geldes 5 Billionen staatliche Festverzinsliche. Die EZB kann keine wirksame Inflationsbekämpfung betreiben! Schuld sind natürlich andere. Die EZB ist die Gefangene ihrer Aktien- und Anleihenaufkaufpolitik mit angeschlossener Nullzinspolitik, denn die hochverschuldeten Länder Griechenland (193 Prozent des BIP), Italien (150 Prozent des BIP), Frankreich (112 Prozent) und Portugal (127 Prozent) können ihre Schulden bei einem deutlich erhöhten Zinssatz nicht mehr tragen. Das ist keine höhere Mathematik wie beim Design einer Kryptowährung. Bei einem Zins von 5 Prozent und einer Staatsverschuldung von 150 Prozent muss ein Staat 7,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts für Zinszahlungen aufbringen, wenn sich der Zins auf diesem Niveau festsetzt – natürlich nicht am ersten Tag, aber mit der Zeit. Das sind dann möglicherweise 30 Prozent der Staatseinnahmen. Kein Staat kann das auf Dauer leisten. Wir reden hier ja nur über die Zinszahlungen, nicht über die Tilgung. Deshalb ist ein Anstieg der Zinsen auf Niveaus, wie wir sie früher kannten, nicht vorstellbar. Die EZB hat heute einen genialen Plan verkündet: sie will wieder Staatsanleihen der Südländer kaufen (Italien, Spanien, Portugal etc.) – und gleichzeitig andere Anleihen (der finanziell solideren „Nordländer“ wie Deutschland, Holland etc.)  verkaufen. Das aber bedeutet faktisch eine Umverteilung von Wohlstand von Deutschland nach Italien: denn damit entsteht Druck auf die Renditen deutscher (oder holländischer) Anleihen, deren Zinsen steigen (weil die EZB deren Anleihen verkauft) – während die Zinsen für Anleihen Italiens, Spaniens etc. tendenziell fallen (weil die EZB als großer Käufer auftritt). An diesen Anleiherenditen aber hängen nicht nur die Zinsen am Immobilienmarkt – was in der Praxis bedeutet, dass die Kreditaufnahme für Deutsche teurer wird, für Italiener hingegen latent günstiger. Durch den Anstieg der (Renditen) Zinsen steigen gleichzeitig die Kreditkosten für Deutschland, während die Kreditkosten für Italien tendenziell sinken, wir zahlen also die Renten für die von der Sonne gelähmten Süditaliener, nicht der Norden Italiens mit seiner Wirtschaft. Die große Umverteilung!  Also raus aus Europa, zumindest monetenmäßig. Der Euro geht den Bach runter! Bis 2008 hat der Dollar bis auf 1 Dollar = 0,64 Euro abgewertet. Der seitdem anhaltende schleichende Abwertungsprozess des Euros nimmt seit Anfang des Jahres sprunghafte Züge an. So lag der Wechselkurs im Januar noch bei 1 Dollar = 0,82 Euro und jetzt kratzen wir bereits an der Marke 1 Dollar = 1 Euro. Von der durch überbordende Gesetze geminderten Produktivität der alten Welt ganz zu schweigen. Also rein in die ETF der riesen Techwerte! Auf Dollarbasis! Das Zudrehen der Zinsschraube erhöht die Rezession. Daneben fördern wir hier diese durch die erkennbar verfehlte Sanktionspolitik unseres als Wirtschaftsminister fungierenden Kinderbuchautors. Dass uns die gg. Russland aufgesetzte Energiepolitik selber ruiniert war doch nachlesbar. Das Verhindern von Technologieexport und Bankensanktionen hätten gereicht. Jetzt wird die eigene verfehlte Politik mit falschen neuen Maßnahmen versucht zu korrigieren: Kartellrecht, Arbeitgeberzuschüsse, … . Man könnte weinen. Die Automobilindustrie wird mit dem Zwangsausschluss des Verbrenners ohne Not ruiniert: Der CO2-Fußabdruck des Verbrenners ist mit dem des E-Autos identisch. Die Aktien gehen nach Süden. Fraglich ist, ob die aktuellen Kurssteigerungen ein Signal für das Ende des Bärenmarktes sind. Die Börsen haben das Risiko eines wirtschaftlichen Abschwungs noch nicht vollständig eingepreist und könnten noch weiter fallen, so die Strategen von Morgan Stanley und Goldman Sachs. Obwohl der Einbruch an der Wall Street dazu geführt hat, dass sie fairer bewertet sind, muss der S&P 500 um weitere 15 bis 20 Prozent auf etwa 3.000 Punkte fallen, damit der Markt das Ausmaß einer Rezession vollständig widerspiegelt, heißt es in einer Studie von Morgan Stanley. „Der Bärenmarkt ist erst dann vorbei, wenn eine Rezession eintritt oder die Gefahr einer Rezession gebannt ist“, so die Experten, nachdem der Index in der vergangenen Woche mehr als 20 Prozent unter seinem Rekordstand vom Januar (4.796) geschlossen hatte und damit in einen Bärenmarkt eingetaucht ist. Aber wer weiß schon, wie der Hase läuft. Schauen wir uns den Nasdaq Composite an, also den großen Index: Im Jahr 1973 stürzte der Nasdaq Composite Index um fast 60 % in die Tiefe. Es dauerte rund vier Jahre, bis der Index die Baisse in dieser Zeit der wirtschaftlichen Misere überwunden hatte. Anfang 1982 kam es zu einem weiteren Nasdaq-Bärenmarkt, nachdem die US-Wirtschaft in den letzten Monaten des Vorjahres in eine Rezession geraten war. Im Hochsommer 1982 verließ der Nasdaq Composite Index offiziell das Gebiet des Bärenmarktes. Die nächste Nasdaq-Baisse resultierte aus dem unerwarteten Börsenkrach von 1987. Der programmierte Handel mit Computern verschlimmerte den Ausverkauf der Aktien. Der Nasdaq Composite Index machte seine Verluste bis Juni 1989 nicht vollständig wett. Der Index erholte sich jedoch genug, um die Baisse im März 1988 zu beenden – etwa fünf Monate nach Beginn der Baisse. Kurz darauf tauchten die Bären erneut auf. Im Juli 1990 begann eine weitere Rezession in den USA. Innerhalb weniger Monate befand sich der Nasdaq Composite Index in einem weiteren Bärenmarkt. Im Januar 1991 war der Bärenmarkt vorbei. Die Rezession endete ein paar Monate später. Die Nasdaq-Aktien stiegen während des größten Teils der 1990er Jahre. In der zweiten Hälfte des Jahres 1998 gab es jedoch einen weiteren kurzen Nasdaq-Bärenmarkt. Der Nasdaq Composite Index fiel im August desselben Jahres um mehr als 20 %. Er erholte sich bald genug, um sich aus der Baisse herauszubewegen, doch dann setzte die Baisse schnell wieder ein. Doch im Oktober 1998 war eine Erholung in vollem Gange. Anfang 2000 begann der schlimmste Nasdaq-Bärenmarkt aller Zeiten. Bis Mitte Oktober 2002 stürzte der Nasdaq um mehr als 75 % ab, als die Dotcom-Blase platzte. Als 2008 die Wirtschaftskrise ausbrach, hatte sich der Nasdaq Composite Index noch immer nicht erholt. Diese unangenehme und lange Baisse endete erst im November 2013. Der einzige Bärenmarkt, den der Nasdaq danach erlebte, war der durch den Coronavirus ausgelöste Ausverkauf Anfang 2020. Dieser Bärenmarkt dauerte jedoch nur wenige Wochen. Also drinbleiben oder wisse Sie wie es weitergeht? Schauen wir auf Immobilien: Kaum ein Preisschub hat die Menschen hierzulande mehr bewegt als jener, der seit dem Jahr 2008, spätestens seit 2009 bei Wohnimmobilien in Deutschland stattgefunden hat. Im Zuge der Finanzkrise hatten viele Anleger und auch große institutionelle Kapitalverwalter, Wertpapieren den Rücken gekehrt und sich Sicherheit in Form von Beton gesucht. Die Politik der Notenbanken, die in der Krise die Zinsen immer weiter senkten und die Zinsen „risikoloser“ Anlagen wie amerikanischer und deutscher Staatsanleihen immer weiter gen null trieben, tat ihr Übriges. Alle wollten auf einmal Wohnungen und Wohnhäuser kaufen, und durch die niedrigen Zinsen konnten sich viel mehr Menschen Immobilien leisten. Die Preise stiegen rasant. „Wer vor zehn Jahren eine Wohnung für 100.000 Euro in Berlin gekauft hat, kann sie heute leicht für 300.000 Euro wieder loswerden“, so der Maklerverbands IVD. Der Schweinezyklus gilt aber auch für den Immobilienmarkt: Der Begriff „Schweinezyklus“ geht auf den Agrarwissenschaftler Arthur Hanau zurück, der 1927 feststellte, dass Bauern erst mit einer gewissen Zeitverzögerung auf Änderungen am Schweinemarkt reagieren können. Denn steigt der Preis für Schweinefleisch, wollen die Bauern mehr Fleisch auf den Markt bringen. Also investieren sie verstärkt, um das Angebot an die Nachfrage anzupassen. Zucht und Aufzucht der Tiere dauern allerdings ihre Zeit. Mit Verzögerung bringen dann alle Bauern auf einmal ihre Ware auf den Markt, was das Angebot in die Höhe schnellen und den Preis fallen lässt. Das führt seitens der Bauern wieder zu weniger Investitionen, das Angebot fällt, der Preis steigt und der Schweinezyklus beginnt von vorn. Für den Immobilienmarkt gilt Ähnliches: Experten unterscheiden hier vier Phasen, die aber weder vorhersagbar sind noch gleichmäßig verlaufen. Mit Sicherheit kann man daher nie sagen, in welcher Phase des Schweinezyklus der Immobilienmarkt gerade ist. Der Zyklus beginnt mit der Marktbereinigung (2. Phase). Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass aufgrund des Überangebots an Wohnraum zu viel Leerstand herrscht und die Immobilienpreise und Mieten in den Keller rutschen. Dadurch werden aber auch die Investitionen zurückgefahren und weniger Neubauten errichtet. Das verringert das Wohnraumangebot, der Preisverfall schwächt sich ab und der Markt stabilisiert sich (3. Phase). Fehlende Investitionen und das Herunterfahren des Wohnungsbaus führen nach einer gewissen Zeit zum Wohnungsmangel und somit zur vermehrten Nachfrage. Die Preise für Wohnraum steigen und Immobilien werden wieder lukrativ. In der Projektentwicklungsphase (4. Phase) investieren Anleger daher wieder verstärkt in den Wohnungsbau. Die Zeitverzögerung bis zur Fertigstellung sorgt dafür, dass die Nachfrage relativ lange konstant bleibt und mit einem Schlag wieder viel Wohnraum verfügbar ist. Das Angebot ist dann wieder größer als die Nachfrage und der Schweinezyklus erreicht schließlich die Phase der Überbauung (1. Phase). Wir befinden uns in der 4. Phase, jedoch einer durch aktuelle Entwicklungen modifizierten Phase: Noch riesige Preissteigerungen von 10 % bei Immobilien, aber gleichzeitig: Riesige Zinserhöhungen, Material- und Handwerkermangel wobei die Mieter, also die, die die Zeche zahlen sollen, ihr Realeinkommen erheblich geschmälert bekommen: Inflation bei Lebensmitteln, Energie, bereits schon zunehmende Bankenverschuldung für die laufenden Ausgaben, etc.. Die erhöhten Vorauszahlungen für Energie werden dazu führen, dass Mieter bei den Vermietern vorstellig werden, die ihrerseits mit den Mietern ja über Mieterhöhungen verhandeln wollten … . Steigende Bauzinsen machen den Immobilienkauf immer kostspieliger – und teils unerschwinglich. Der Immobilienmarkt hat eine dramatische Wende vollzogen. Die Zeiten historischer Niedrigzinsen für Hauskäufer sind vorbei. Lag der Mittelwert für Hypothekenzinsen im Dezember 2021 noch bei 0,9 Prozent, so steht er mittlerweile bei 2,8 Prozent. Er hat sich somit binnen eines halben Jahres mehr als verdreifacht. Der Mittelwert der Hypothekenzinsen wird bereits im Juni oder Juli die Drei-Prozent-Marke überschreiten. Bei einer Beleihung von 80 Prozent sind wir übrigens schon jetzt bei drei Prozent Zinsen im Durchschnitt. Nach mehr als zehn Jahren nähert sich der Immobilien-Boom in Deutschland Experten zufolge seinem Ende. Bis zu vier Prozent Hypothekenzinsen bis Jahresende. Bei drei Prozent dürfte aber lange noch nicht Schluss sein. Die steigenden Bauzinsen machen den Traum von den eigenen vier Wänden teurer. Der „neutrale Zins“ für eine zehnjährige Finanzierung, ab dem die Selbstnutzerkosten den Neuvertragsmieten entsprechen, beläuft sich in den sieben deutschen Metropolen auf 2,8 Prozent. Im Umland der Städte und Metropolen liegt er hingegen bei 3,5 respektive 3,6 Prozent. Bislang konnte der Wohnungsmarkt den bisherigen Zinsanstieg gut verkraften. Hauspreise müssten schon um fast 20 Prozent fallen, um den steigenden Zinsen entgegenzuwirken. Makler berichten von schwerer werdenden Verkäufen, die Immobilienanzeigen in den Internetportalen laufen länger. Auch Immobilien sind somit keine sichere Bank, ein falscher Standort oder ein Mietnomade können kann den Rest geben. Und ganz wichtig: kaufen Sie im Herbst! Von Juni bis September sind die Hauspreise am höchsten, von Dezember bis März am niedrigsten. Woher kommt dieser Unterschied? Der saisonale Verlauf hängt offenbar eng mit dem Wetter zusammen. In den Sommermonaten wirken Häuser aufgrund der Sonnenstrahlen freundlicher als in der dunklen Jahreszeit. Daher sind die Käufer bereit, einen höheren Preis zu zahlen. Im Winter ist es dann umgekehrt. Auch schlägt das Wetter dann ja auf das Gemüt: Im Sommer ist man besser drauf, im Winter wird man schnell schwermütig. Was tun? Fliehen Sie mit Ihrem Geld über den großen Teich. Hier wird es ungemütlich, Putin ante portas, die Luft wird bleihaltig oder, da Putin die Panzerangriffe mit Artillerie vorbereitet mit Ernst Jünger treffender: Es ziehen Stahlgewitter auf.

Wie immer an dieser Stelle am Schluss ein paar Börsen- und Lebensweisheiten, diesmal wieder vom Altmeister Kosto, den der Autor weiland in Hamburg persönlich kennenlernte; kurze Zeit später starb er. Trotz zweimaliger Pleiten verdiente Andre Kostolany anfangs mit Spekulationen, später mit einer ruhigen Hand, ein Millionenvermögen an der Börse. In der zweiten Lebenshälfte gab er seine gemachten Erfahrungen an der Börse weiter.

  • „An der Börse ist alles möglich. Auch das Gegenteil.“ Sich an der Vergangenheit zu orientieren ist bei automatischen Handelssystemen im Nanosekundenbereich schwierig bzw. unmöglich.
  • „Kleinanleger sollten nie zocken. Kauft Standardwerte und ein Schlafmittel, um das Geschehen an der Börse auf Jahre zu vergessen, egal ob es draußen donnert und blitzt.“ Wir orientieren uns hier an diesem Klein- bzw. Normalanleger und setzen auf ETF.
  • „Die Wirtschaft kann man nicht lehren, man muss sie selber erleben und überleben.“ Habeck doziert in Davos und hat nie selber Erfahgungen in der Wirtschaft gemacht. Gleichwohl: Er kämpft, ob Altmaier auch gekämpft hätte?

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