Börsentipps April 2019

Kaufen, halten, verkaufen? Schwierig, aktuell ganz schwierig! Die großen aktuellen wirtschaftlichen Themen wie Brexit, USA/China, USA/Europa, Versäumnisse und politische Überforderungen der Autoindustrie haben in der deutschen Wirtschaft Spuren hinterlassen. Während die Industrie seit dem Spätsommer immer tiefer in die Rezession rutscht, trotzen der Dienstleistungssektor und der Arbeitsmarkt bisher den Stürmen, die aus Übersee zu uns gezogen sind. Die vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump angezettelten Handelskriege haben Unternehmen weltweit verunsichert. Wenn sie nicht mehr wissen, ob und wie sie ihre grenzüberschreitenden Lieferketten neu ausrichten sollen, investieren sie weniger und kaufen weniger deutsche Maschinen. So haben die Haushalte bereits im Herbst auf das unsicher gewordene Umfeld reagiert und einen größeren Teil ihrer Einkommen gespart. Alles in allem stehen die Chancen gut, dass die außenwirtschaftlichen Stürme in den kommenden Monaten abflauen werden. China kann sich die Kosten eines eskalierenden Handelskrieges nicht mehr leisten; es lockert die Kreditvergabe und senkt die Steuern, um seine Konjunktur zu stabilisieren. In Großbritannien hat sich das ansonsten arg zerstrittene Parlament mit großer Mehrheit gegen einen harten Brexit ausgesprochen. Wenn die Gegenmaßnahmen aufgehen, kann die deutsche Industrie ihre Ausfuhrschwäche in einigen Monaten überwinden. Aber bis dahin bleibt es eine Zitterpartie. Trotz der guten Zahlen schlägt die schwächere Weltwirtschaft Deutschlands Exporteuren zunehmend aufs Gemüt. Das Barometer für die Exporterwartungen fiel im März auf 1,4 Punkte von 7,2 Zählern im Vormonat. Das teilte das Münchner Ifo-Institut am Dienstag zu seiner entsprechenden Umfrage unter 2.300 Unternehmen mit. „Die abkühlende Weltkonjunktur macht der deutschen Exportindustrie zu schaffen“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Besonders in der Autoindustrie sind die Aussichten trüb. „Es werden Exportrückgänge erwartet“, fuhr Fuest fort. Ähnliches gelte für die Metallindustrie. Auch die US-Wirtschaft hat Ende 2018 stärker als erwartet an Schwung verloren. Zwischen Oktober und Dezember wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,2 Prozent, wie das Handelsministerium am Donnerstag mitteilte. In einer früheren Schätzung war noch von einem Plus von 2,6 Prozent die Rede. Im vorangegangenen dritten Quartal 2018 waren noch 3,4 Prozent gewesen. Neben der schwächeren Weltkonjunktur haben auch die nur noch moderat steigenden Konsumausgaben das Wachstum gebremst. Im Gesamtjahr 2018 wuchs die größte Volkswirtschaft der Welt um 2,9 Prozent. Damit wurde das von Präsident Donald Trump ausgegebene Ziel von drei Prozent knapp verfehlt. Trump hatte zuvor die Konjunktur kräftig mit einem Steuersenkungspaket mit einem Volumen von etwa 1,5 Billionen Dollar angekurbelt. Jüngst hatte er der Notenbank Fed vorgeworfen, mit ihren Zinserhöhungen eine weit höhere Wachstumszahl verhindert zu haben. Die Fed setzt daraufhin die Zinserhöhungen aus. Soviel zur Wirtschaft, nun zu den Zinsen und dann zu den Kursen. Die Europäische Zentralbank hat den Zins planiert. Daß nun aber auch die US-Notenbank nachzieht und ihre Zinserhöhungsphase beendet, kam überraschend. Es ist eine Kapitulation und hat erhebliche Folgen für Sparer weltweit. Der Zins in Deutschland beträgt Null % und bei einer Inflation von 1,5 % beträgt der Realzins minus 1,5 %. In den USA sieht es besser aus. In den Vereinigten Staaten liegen die kurzfristigen Geldmarktzinsen ebenso wie die langfristigen Anleiherenditen bei knapp 2,5 Prozent. Die Inflationsrate beträgt, wie von der Fed beabsichtigt, rund 2 Prozent. Der Realzins somit positiv 0,5 %. Sind die Zentralbanken an den niedrigen Zinsen schuld oder sind es andere Kräfte? Die demographische Entwicklung, die gut verdienende Babyboomer noch einige Zeit lang am Ende ihrer Karrieren hohe Ersparnisse bilden lässt, gehört ebenso dazu wie die wachsende Neigung von Unternehmen, in der digitalen Revolution kapitalintensive Sachinvestitionen durch immaterielle Investitionen zu ersetzen. Das sind Investitionen in Forschung und Entwicklung, Humankapital, Software, Markenrechte und Patente, die keinen hohen -Kapitaleinsatz erfordern. Die schwachen Produktivitätszuwächse halten den Realzins ebenso niedrig wie die angesichts wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit kräftige Nachfrage von Großanlegern nach Staatsanleihen mit guter Bonität. Gedrückt werden die Renditen zudem durch Regulierungen, die Geschäftsbanken zum Kauf von Staatsanleihen ermuntern, sowie durch Anleihekaufprogramme von Notenbanken. Der niedrige Realzins ist ein Fluch, weil er mit negativen Begleiterscheinungen einhergeht. Er enttäuscht Zinssparer, er beeinflusst die Verteilung von Einkommen und Vermögen, und er begünstigt womöglich wirtschaftliche Konzentration. Der niedrige Realzins ist aber kein Schicksal. Es sind Bedingungen denkbar, unter denen er steigen kann. Zu nennen wären der Eintritt der Babyboomer in den Ruhestand, wonach deren Ersparnisbildung nachlassen dürfte, sowie ein Produktivitätszuwächse generierender technischer Fortschritt, der wieder mehr Investitionen in Sachkapital anregt. Auf Sicht der kommenden Jahre werden aber alle am Wirtschaftsprozess Beteiligten, Privathaushalte wie Unternehmen und die Finanzbranche, gut daran tun, sich auf weiterhin sehr niedrige Zinsen einzustellen. Bis der Leitzins der EZB wieder 1 Prozent überschreiten werde, dürfte es vermutlich noch mindestens fünf Jahre dauern, so einige Auguren. Es kann auch länger dauern. Auch haben wir wieder eine inverse Zinskurve wie damals vor dem letzten großen Knall. Eine Konstellation, in der die kurzfristigen Renditen über den langfristigen liegen, ist als „inverse“ Zinskurve bekannt. Als es letzte Woche erstmals seit 2007 zu einer Inversion der Zinsstrukturkurve kam, sackten die Aktienkurse deutlich ab. Der Grund: Eine inverse Kurve ist ein klassisches Angstbarometer, weil sie in der Vergangenheit ein verlässlicher Indikator für einen Wirtschaftsabschwung war. Im Jahr 2008 war es infolge eines Preisverfalls der amerikanischen Häuserpreise in der Tat zu einer schweren Rezession gekommen. Laut einer vielbeachteten Studie der Notenbank von San Francisco war in den vergangenen 60 Jahren jeder Rezession in den Vereinigten Staaten eine inverse Zinsstrukturkurve vorausgegangen. Die Inversionen der Kurve haben seit 1955 alle neun wirtschaftlichen Abschwungphasen signalisiert, und nur in einem Fall gab es eine falsche positive Prognose“, hieß es dem Bericht der Notenbank vom März vergangenen Jahres. Der steigende Anteil der Rentner an der Weltbevölkerung führt zu einem Entsparen, das langsame Vordringen der neuen Technologien in immer weitere Wirtschaftsbereiche kann den Produktivitätszuwachs und die Kapitalnachfrage langfristig wieder erhöhen. Bis dahin, so wird geschätzt, könnten aber leicht ein oder zwei Jahrzehnte verstreichen. Nun zu den Aktien, die ja alle Vermögensarten weltweit repräsentieren. Die Randbedingungen für deren Kursentwicklung sind genannt. Die Gewinne sind aktuell gefährdet; wenn die angesprochenen Problemlagen behoben sein werden, kann es wieder bergauf gehen. Die Zinsen bleiben unten, so dass mittel- und langfristig eine Aufwärtsentwicklung wieder möglich ist. Im Hinterkopf zu behalten ist, dass die laufende Aufwärtsentwicklung seit 2009, also 10 Jahren, unüblich ist, auch wenn der DAX und andere Indices im letzten Jahr etwas korrigiert haben, aber eine größere Korrektur noch auf sich warten lässt, obwohl richtigerweise bemerkt wird, dass eine Hausse nicht an Altersschwäche stirbt aber gleichwohl entwickeln sich die Märkte nicht immer nach oben. So führen dann auch Vermögensverwalter aus: „Die Kursgewinne der vergangenen Wochen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gesamtbild problematisch bleibt. Die Konjunkturschwäche werde sich im laufenden Jahr fortsetzen. Als Haupttreiber der Abschwächung in der Weltwirtschaft wird China betrachtet. Spätestens 2020 drohe ein deutlicher Rückgang der Unternehmensgewinne.“ Es ist also Vorsicht geboten. Zur Erinnerung: Damals, am 9. März 2009, war der Dax am Tiefpunkt. Er notierte bei nur 3.588 Punkten. Die Finanzkrise hatte Deutschlands wichtigsten Aktienindex innerhalb von nur einem Jahr mehr als halbiert. Die Kursgewinne von fünf Jahren waren weggeschmolzen. Die Angst vieler Anleger vor Verlusten ist aber auf lange Sicht unbegründet. Sorgen soll sich der machen, der aber nicht ewig warten kann auf eine Verlustkompensation oder von den Erträgen leben muss. Hier werden alternative Konzepte angeboten wie Mischfonds oder die Anlage von 50 % des Vermögens in Aktien und den Rest in geldnahen Titeln. So ist auch der hier verfolgte allgemeine Ansatz für den Normalanleger, es gibt nur Vermögensbindung: in Aktien oder Geld. Die Frage ist, wie der Normalanleger mit einem normalen Haufen Geld ohne „Insidertipps“ in der aktuellen Situation vorgehen soll, der aber weiß, dass alle preisbildenden Informationen bereits in den Kursen enthalten sind und erkannt hat, dass er mit seinem Haufen Geld die Kurse nicht oder besser gar nicht bewegen kann? ETF ist die Lösung. Erst 1976 wurden sie von John C. Bogle, Gründer der Vanguard Group, erfunden. Heute, gut 40 Jahre später, liegen mehr als fünf Billionen US-Dollar (das entspricht in etwa dem Niveau des jährlichen US-Bundeshauhalts) in den Indexfonds – und täglich werden es mehr. Allein im Januar flossen laut einer Statistik der Bank of America Merrill Lynch mehr als 100 Milliarden Dollar in ETFs. Die Erfolgsstory verwundert nicht. Mit ihnen lässt sich bequem, transparent und kostengünstig die Entwicklung einzelner Indizes, Regionen oder Branchen nachbilden. Zudem sind sie in der Regel sehr liquide und können ähnlich wie Aktien problemlos zu Börsenzeiten gehandelt werden Doch der Boom bei den ETFs (und ähnlich strukturierten Index-Produkten) hat auch seine Schattenseiten, vielen Investoren wird er immer unheimlicher. Sie warnen vor den negativen Folgen des passiv angelegten Kapitals. „Indexing ist eine massive Bedrohung für die Stabilität des Finanzsystems“, sagt etwa Saker Nusseibeh, Vorstandsvorsitzender der britischen Fondsgesellschaft Hermes Investment Management. Er befürchtet, dass aus einer normalen Korrektur schnell ein Crash wird, wenn zu viel passives Kapital zu schnell abgezogen wird. Howard Marks, Mitgründer des 100 Milliarden Dollar schweren Oaktree Fonds, warnt: „Wer soll all die Aktien kaufen, wenn die ETFs sie schnell abstoßen müssen?“ Selbst die US-Notenbank und der Internationale Währungsfonds sind wegen möglicher systemischer Risiken besorgt. So könne ein Absturz bei den ETFs eine Verkaufswelle auch in anderen Märkten auslösen. Etwa wenn Investoren gezwungen sind, andere Vermögenswerte loszuschlagen, um Verluste auszugleichen und Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. In den vergangenen Jahren wollten sie via ETFs einfach nur von den steigenden Märkten profitieren. Sollte es nun an den Märkten etwas rauer werden ist es gut denkbar, dass ETF-Anleger kalte Füße bekommen und verkaufen. Doch wenn alle auf einmal zu einer Tür hinaus wollen, wird es eng. Plötzlich werden Stoppmarken gerissen, Algorithmen generieren neue Verkaufssignale, Investoren werden nervös und ziehen weiteres Geld ab, die nächsten Maschinen reagieren – die Abwärtsspirale ist in Gang. Also auch diese Art der Vermögensbildung ist nicht ohne Risiko. Es gilt also zu überleben, wie man bei einer Abwärtsentwicklung schnell zum Ausgang kommt. Ein Problem. Analog: Abends in der Kneipe rumort es plötzlich ganz heftig bei einem älteren Pärchen am Nachbartisch, die gesamte gute Stimmung geht auch bei den anderen Gästen blitzartig in den Keller, die allesamt Sympathie für die Dame haben. Der Kellner, bei dem man sonst anschreiben lassen kann, besteht nunmehr partout auf Cash und der Doorman lässt keinen mehr raus, der nicht ordnungsgemäß gezahlt hat, es staut sich am Ausgang, und keiner will mehr rein, …, das Chaos nimmt seinen ganz normalen Gang. Lösung in der Kneipe: Deeskalation, Beschwichtigung, … . An der Börse: Stopp Loss. Mit einer Stop Loss Order platzieren Sie eine Order, um Ihren Verlust zu begrenzen, wenn eine von Ihnen gehaltene Aktie im Wert fällt. Sobald der Preis einer Aktie Ihr Stop-Loss-Niveau erreicht, wird eine Bestens-Order an den Ausführungsort geleitet. Eine Stop Loss Order kann ebenfalls beim Kauf verwendet werden. Hier fungiert sie als „Start Buy Order“ und definiert den Kurs, zu welchem Sie einsteigen möchten. Entsprechend können Sie bei einer Short-Position eine Stop-Loss-Order platzieren, wenn der Preis steigt. Das Stop-Loss-Limit ist das Preisniveau, ab welchem Sie Aktien zurückkaufen. Sie wollen ja auch, dass ihr Depot von alleine läuft, also passive Einkünfte, nichts oder nur wenig, aber das Richtige tun. Sie müssen daher nur noch wissen, was eine Trailing Stop Order ist. Eine Trailing Stop Order ist eine Order mit einem variablen Stop-Preis. Der Stop-Preis wird bei einer Bewegung des Wertpapierpreises vom Stop-Preis weg nachgezogen. Bei dieser Orderart muss zuerst ein Stop-Preis gesetzt werden. Der eingegebene Stop-Preis bestimmt die Stop-Schwelle nach der Ordereingabe. Zusätzlich muss ein Abstand entweder als absoluten Wert (z.B. in EUR) oder in Prozent angegeben werden. Bei einer Bewegung des Wertpapiers, die den Abstand zum Stop-Preis vergrößert, wird der Stop-Preis automatisch mit dem eingegebenen Abstand nachgezogen. Bei einer Bewegung des Wertpapiers, die den Abstand zum Stop-Preis verkleinert, bleibt der Stop-Preis bestehen. Was tun? Situation selber einschätzen und dann handeln. Draußen am Spielfeldrand bleiben, ist auch eine Option.

Wie immer an dieser Stelle ein paar Bonmots zum Aktienmarkt, diesmal wieder von Altmeister Kostolany:

  • „Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man schnell reich wird; ich kann Ihnen aber sagen, wie man schnell arm wird: indem man nämlich versucht, schnell reich zu werden.“
  • “Zu Tiefstkursen kaufen und zu Höchstständen verkaufen, können nur Lügner.”
  • „Einer Straßenbahn und einer Aktie darf man nicht nachlaufen. Nur Geduld: die nächste kommt bestimmt.”

Haben Sie Rentabilitätsprobleme, sei es mit dem Hintergrund Schweiz oder der geringen Höhe aufgrund der Bankenhonorare oder sind Sie hinsichtlich Ihrer Vermögensdispositionen und Altersvorsorge unsicher, lassen Sie sich von uns beraten. Für ein unverbindliches erstes Beratungsgespräch stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Wir beraten gegen Honorar und ohne Fixkosten, insbesondere behalten Sie hierbei die Verfügungsmacht und ihr Vermögen in der Hand und wir werden nicht von dem Produkteanbieter bezahlt.

Wollen Sie Ihr Unternehmen gegen die weiterhin instabile Konjunktur und die anhaltende Systemkrise sturmfest machen, nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir checken Ihr Geschäftsmodell und unterstützen Sie bei der strategischen Adjustierung.

Wir organisieren für Sie die Unternehmensnachfolge und nehmen im Vorfeld gerne eine indikative Unternehmensbewertung vor, damit Sie überschlägig eine Markteinschätzung ihres Unternehmens gewinnen.