Börsentipps Februar 2019

Kaufen, halten, verkaufen? Schwierig. Zu beachten ist, dass sich diese Kommentierung und Beurteilung an den Normalanleger richtet, also unseren Normalkunden, der sein Geld im Wesentlichen erarbeitet hat und darauf achten muss, dass es erhalten bleibt, um die letzte Lebensphase mit zu finanzieren. Er weiß, dass eine höhere Rendite mit einem höheren Risiko verbunden ist. Wir haben an dieser Stelle frühzeitig empfohlen, aus Aktien auszusteigen, richtig gewesen? Der mittlere erwartete Schlusskurs des Dax für das Jahr 2018 lag Ende 2017 ermittelt durch 24 Banken, bei heute irrwitzig anmutenden 13 938 Punkten, heraus kamen zum Jahresende 10.560. Die Banken rechnen nunmehr für Ende 2019 mit einem DAX-Stand von 12.431 Zählern. Es erhebt sich daher für denjenigen, der investiert geblieben ist die Frage nach der Wiedergewinnungszeit, also wie viele Jahre wird es dauern wird, bis Anleger allein die Verluste von 2018 wieder aufgeholt haben? 18,26 % hat der Deutsche Aktienindex Dax im vergangenen Jahr verloren – 11,06 % der sogar noch viel breiter gefasste globale Index MSCI World. Wer zum Jahresanfang 2018 beispielsweise 10 000 Euro in einen börsengehandelten Indexfonds („Exchange Traded Fund“, ETF) auf den Dax investiert hatte, musste im Jahresverlauf zusätzlich zu den Gebühren also fast 2000 Euro Wertverlust verbuchen – im Vergleich zu demjenigen, der die 10 000 Euro einfach auf dem Girokonto hat stehenlassen. Wer sein Geld in einen ETF auf den globalen Index gesteckt hatte, verlor zusätzlich zu den Gebühren immerhin noch mehr als 1000 Euro. Nun kann man sich damit trösten, dass Aktien langfristig eine gute Geldanlage sind und dass schlechte Jahre am Aktienmarkt irgendwann immer durch gute ausgeglichen werden. Aktienfachleute belegen das recht überzeugend mit dem sogenannten Renditedreieck, das die langfristige Rendite von Aktieninvestments gemessen am Start- und am Zieljahr der Anlage zeigt. Aktien sind da immer ein gutes Geschäft – man muss einfach nur lang genug warten. Aber wer jetzt auf das Jahr 2018 zurückblickt und sich überlegt, ob sein Geld gut dort aufgehoben war, wo es steckte, wird sich über die Verluste wo möglich doch ärgern und im Nachhinein vielleicht denken, man hätte ja auch mal ein Jahr mit der Aktienanlage aussetzen können; wenn – ja, wenn man das alles vorher gewusst hätte. Wie viele Jahre wird es nun dauern, bis jemand mit seinen ehemals 10 000 Euro im Dax-ETF die fast 2000 Euro Verlust aus dem vorigen Jahr wieder ausgeglichen haben wird? Die Prognosen der Aktienfachleute sind sehr unterschiedlich. Genau weiß das natürlich niemand. Die Allianz rechnet in ihrem eher optimistischen Basisszenario (,‚Soft landing“) mit anderthalb bis zwei Jahren, die der Dax brauche, um auf seinen Stand von Anfang 2018 zu kommen. Wenn es aber ungünstig laufe und beispielsweise die Folgen des Brexit unerwartet hart ausfielen oder der Handelsstreit eskaliere („Forced landing“), könnte es auch vier oder sogar fünf Jahre dauern. Fünf Jahre also, in denen ein Dax-Anleger darauf wartet, dass er sein Geld zumindest nach Abzug der Kosten wieder herausbekommt, das er Anfang 2018 auf den Index gesetzt hatte. Die Deutsche Bank geht von einer Normalrendite der Aktien von 8 bis 10 Prozent aus. Nach dieser Rechnung müssten wir in einem ‚normalen‘ Marktumfeld noch rund zweieinhalb Jahre warten, bis die Dax-Verluste komplett aufgeholt sind. Die Aktienmärkte seien aber eben nicht immer „normal“. Die extrem schlechte Anlegerstimmung habe zu Verlusten geführt, die im Vergleich zu den Fundamentaldaten vielleicht etwas zu hoch ausgefallen seien. Die Verluste könnten beispielsweise durch Fortschritte beim Handelskonflikt deutlich schneller ausgeglichen werden in diesem Jahr, was die Bank aber per Saldo nicht erwartet. Die Bethmann-Bank kalkuliert in der Theorie langfristig mit 6 Prozent Rendite im Jahr für Aktien. Damit käme man auf ungefähr drei Jahre, die der Dax zum Aufholen brauche. Allerdings sei dies ausdrücklich eine Rechnung für Zeiträume von zehn Jahren und länger. „In der Vergangenheit war noch nahezu jeder Zehn-Jahres-Zeitraum positiv. Davon geht die Bank auch weiterhin aus. Aber was passiert auf drei Jahre, wenn in diesen Jahren wo möglich eine Rezession kommt? Das Bankhaus Berenberg rechnete mit einer Wiedergewinnungszeit von 2 Jahren, was aber nur gelten soll, wenn der Handelskrieg eingestellt werde und China seine Konjunktur stabilisiere und Großbritannien eine harten Brexit vermeide. Hinter den Kommentierungen steckt Warren Buffets ebenso bahnbrechende wie triviale Erkenntnis: Verluste vermeiden, Gewinne kommen von allein, oder die alte Kaufmannweisheit „Der Gewinn liegt im Einkauf“. Zum relevanten Brexit hat sich Jürgen Klopp geäußert, er fürchtet, dass ihm die Felle wegschwimmen. Der bevorstehende Brexit bedroht offenbar auch die englische Fußballliga. Das große Problem für Klubs und Stars: Die Arbeitnehmerfreizügigkeit wird wohl bei einem harten Ausscheiden der Briten aus der EU außer Kraft gesetzt. Für Fußballer würde das bedeuten: Wollen sie auch künftig in England gültige Arbeitsverträge unterschreiben, brauchen sie eine Aufenthaltserlaubnis. Und die ist an ziemlich strenge Auflagen geknüpft. Die Premier League wird daher durch den Brexit an Attraktivität verlieren. Europäische Stars und Top-Talente werden künftig daher nicht mehr im englischen Fußball zuhause sein. 58 Prozent aller Spieler, die bis zum Ende der vergangenen Saison aus dem EU-Ausland in die höchste englische Liga gewechselt sind, wäre niemals spielberechtigt gewesen wenn man die neue Regelung zugrunde legt. Die Engländer sind von ihrer Mentalität etwas spleenig und in jedem Fall fußballverrückt, so dass bei einer Neuabstimmung über den Brexit das Fussballargument den Ausschlag bei einer knappen Entscheidung geben könnte. In Großbritannien ist die Produktion von Autos bereits vor dem von der Branche gefürchteten Brexit eingebrochen und die Aussichten sind düster. Die Zahl der produzierten Fahrzeuge ist in GB im vergangenen Jahr um 9,1 Prozent auf 1,52 Millionen Stück gefallen. Noch größere Sorgen bereitet der Einbruch der Investitionen um 46,5 Prozent auf 588,6 Millionen britische Pfund (673,51 Mio Euro) und die Furcht vor einem ungeordneten Austritt des Landes aus der EU. Zum großen Ganzen, den Zinsen: Powell der FED-Chef wurde von Trump ja mehrfach runtergeputzt, das zeigt nun offenbar Wirkung. Noch im Dezember zeigte sich US-Notenbankchef Jerome Powell unnachgiebig. Doch auf der ersten Sitzung im neuen Jahr vollzog er einen bemerkenswerten Schwenk. Und der dürfte Donald Trump gefallen. Was für einen Unterschied sechs Wochen doch machen können: noch auf der vorherigen Sitzung im Dezember gerierte sich der Präsident der US-Notenbank als regelrechter Märkteschreck. Powell sprach – und die Kurse stürzten in den Keller. Gut 1,5 Prozent verlor der amerikanische Börsenindex Dow Jones damals binnen weniger Stunden. Damals hatte der Fed-Chef klargestellt, dass die Fed sich in ihrer Politik nicht von den Finanzmärkten treiben lasse und also mit ihrem Zinserhöhungskurs durchaus noch fortfahren könnte. Die durch die Krise aufgeblähte Bilanzsumme der Fed werde man im Autopilot-Modus weiter abschmelzen. Doch diesmal ist alles anders. Auf der ersten Sitzung im neuen Jahr gab sich Powell plötzlich überraschend handzahm. Für weitere Zinserhöhungen bestehe vorerst kein Anlass, und selbst eine Zinssenkung als nächsten Schritt wollte er auf Nachfrage nicht kategorisch ausschließen. Und auch bei der Normalisierung der Bilanz könne man den Autopilot-Modus verlassen und flexibel reagieren. Die Investoren feierten damit auch, dass Powell sich scheinbar den Forderungen der Märkte und nicht zuletzt von US-Präsident Donald Trump zu beugen schien. Dieser hatte im Dezember seinen Unmut über die harte Haltung der Fed kundgetan und damit gedroht, er wolle den von ihm ernannten Powell aus dem Amt werfen. Von einem sogenannten „Powell Put“ sprachen die Experten der amerikanischen Großbank Citi in Anspielung auf den „Greenspan Put“. Gemeint ist damit das implizite Versprechen, dass der oberste Dollar-Hüter im Zweifelsfall den Märkten zur Hilfe eilen wird, wenn diese in Turbulenzen geraten. Der frühere Fed-Chef Alan Greenspan hatte diese Politik im Jahr 1987 nach dem Börsencrash im Oktober erstmals eingeführt. Die Märkte gehen davon aus, dass die Fed Funds-Rate nach einer Zykluspause bis zum September im Herbst 2019 mit einem letzten Zinsschritt ihren zyklischen Hochstand bei 2,50-2,75 % erreichen wird. Wie geht es weiter, soll man einsteigen? Die amerikanische Volkswirtschaft ist wegen der Steuerreform und durch Deregulierungsmaßnahmen weiterhin Konjunkturmotor. Der von Donald Trump angestoßene Protektionismus drosselt zwar das Wachstum, dürfte aber die amerikanische Konjunktur nur wenig beeinträchtigen. Gesamt sind die Analysten vorsichtig bei der Bewertung der Lage. Es ist noch nicht sicher, dass an den internationalen Aktienbörsen die Tiefpunkte bereits erreicht sind. Gerade politische Prozesse zeichneten sich in den letzten Jahren durch eine stark zunehmende Unkalkulierbarkeit aus und hatten gleichzeitig teils massive Auswirkungen auf das Börsengeschehen. Es ist daher sinnvoll, zunächst eine hoffentlich im Laufe der kommenden Monate einsetzende Beruhigung der unübersichtlichen Lage abzuwarten. Die aktuellen Signale: Seit Ende 2017 gehen im ökonomisch weltweit vernetzten Deutschland die Geschäftserwartungen fast kontinuierlich zurück, auf einen Ifo-Indexwert von 97,3 im Dezember (der Wert 100 markiert das Niveau des Jahres 2015) – und damit so niedrig wie zuletzt vor vier Jahren. Die vom Ifo-Institut mitgelieferte „Konjunkturampel“ steht auf Rot, schaltet aber öfter mal um. Die ebenfalls im Paket enthaltene „Konjunkturuhr“ steht noch auf „Boom“, aber kurz vor „Abschwung“ – und durch diesen Quadranten wandert der Zeiger meist schnell, entweder in die Rezession, oder gleich zurück zum Boom. Man kann den Ifo-Index als bedrohlich deuten, muss man aber nicht. Doch wenn die Aktienindizes ihre Dezember-Tiefs, etwa der Dax bei rund 10 300 Punkten, noch einmal deutlich unterschreiten sollten, wird es an der Börse schnell brandgefährlich. Als Verkäufer von Aktien werden dann Inhaber von Indexfonds erwartet, die Kasse machen müssten und die Abwärtswelle verstärken. Im letzten Informationsbrief haben wie hier ausgeführt: „Per Saldo ist der Normalanleger aktuell gut beraten, im Geld zu bleiben und nicht in ein fallendes Messer zu greifen. Wenn er dann setzt, dann in weltweit anlegende kostengünstige ETF. Eine auf Sie passende Anlagestrategie muss aber formuliert werden.“ Da eine klare Bodenbildung charttechnisch und realwirtschaftlich nicht gegeben ist, haben diese Aussagen weiterhin Bestand.

Wie immer an dieser Stelle ein paar Bonmots zu Aktienmarktstrategien:

  • „Das Geheimnis des Börsengeschäfts liegt darin, zu erkennen, was der Durchschnittsbürger glaubt, dass der Durchschnittsbürger tut.” — John Maynard Keynes, ein großer Ökonom und Spekulant —
  • „Konzentrieren Sie Ihre Investments. Wenn Sie über einen Harem mit vierzig Frauen verfügen, lernen Sie keine richtig kennen.” — Waren Buffett — (Anmerkung: Dieses humorgespickte Börsenzitat mahnt zu Recht, dass man nicht zu viele Aktien in seinem Depot haben sollte)
  • „Es ist gewinnbringender, einen Tag im Monat über Geld nachzudenken, als 30 Tage dafür hart zu arbeiten.” — Amerikanischer Großindustrieller J.D. Rockefeller — Der Mann hat Recht. In unserer Beratungspraxis erleben wir laufend Fälle, dass Unternehmer ihre ganze Kraft dem Betrieb widmen und ihre Anlageentscheidungen zwischen Tür und Angel treffen, so dass das, was durch Arbeit vorne auf den Teller kommt, hinten wieder herunter rutscht, vgl. Fall Middelhoff, der den Maurer Esch als Vermögenswalter einsetzte, der wiederum im Ponyhof bei Oberstaufen nach wie vor den großen Max spielt wenn es in seinem Bunker in Steibis zu langweilig wird, wogegen Middelhoff alles verloren hat, Geld, Familie, Gesundheit, alles.

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