Börsentipps Juli 2020

Kaufen, halten, verkaufen? Wie immer schwierig abzuschätzen! Denke, bis zur nächsten Ausgabe dürfte der Trend nach oben anhalten. Aber Risiko streuen (vgl. Wirecard und Facebook) und mit Trailing Stopp anseilen, falls es zum Absturz kommt. Der Markt ist seit Corona wahnsinnig schnell geworden, neue Trader sind hinzugekommen, alle jung, risikoorientiert, viele haben vom E-Sport gewechselt. Die Goldmänner haben schon einen ETF aufgelegt, der die Aktien abbildet, die von dieser Gruppe gehandelt werden. Möglich wird diese volumenstarke und deshalb zu beachtende Entwicklung durch so gut wie kostenlose Trades auf neuen schnellen Plattformen wie Robinhood in den USA, wo ja die weltweite Musik spielt oder Trade Republik in Deutschland. Am Rande: TR funktioniert, macht Spaß, geht nur über  Handy, dass man gleichsam wie eine Waffe stets abschlussbereit in der Hose oder wie im Wilden Westen am Gürtel trägt. Der Messias in den Staaten der neuen Generation Zocker ist Dave Portnoy, der über Twitter seine 1,5 Millionen Follower führt, was für ihn wegen seines Frontrunnings eine Geldmaschine ohne Ende ist, bis auf weiteres jedenfalls. Portnoy ist selbst kein Veteran der Wall Street noch nicht einmal besonders erfahrener Privatanleger. Er hat nur zwei Regeln, wenn’s um die Börse geht. Erstens: „Aktien gehen immer nach oben.“ Zweitens: „Wenn du zweifelst, ob du kaufen oder verkaufen sollst, siehe Regel Nummer Eins.“ Dauerhaft will Portnoy aber sowieso nicht am Markt bleiben. Sobald es wieder Sportveranstaltungen gebe, sagte Portnoy selbst gegenüber „CNBC“, werde er sich wieder seinem ursprünglichen Steckenpferd zuwenden – Sportwetten. Auch in Deutschland hat sich bei den Anlegern nach Verinnerlichung des Voßkuhle-Urteils einiges getan, eine Auswirkung von Corona, man hat Zeit zum Nachdenken: Die neuesten Statistiken deuten auf einen Sinneswandel vieler Kleinanleger hin: ING: Alleine im März eröffneten rund 70.000 Anleger ein Depot – sieben Mal mehr als ein Jahr zuvor; Comdirect: Bis Mai in 2020 177.000 neue Depots, …. In den USA spricht man bereits von der „Robinhood-Hausse“. Die Millennials saßen während des Lockdowns gelangweilt daheim rum – und weil Fortnite auf die Dauer auch langweilig ist, haben sie mal mit der Börse angefangen. Aktien kaufen übers Smartphone sei schließlich sooo einfach… und weil der Markt just dann nach oben gedreht hat, als der Lockdown begann, haben sie auch alle Geld verdient, jetzt fühlen sie sich als Super-Investoren, so Marktbeobachter. Neidische Alttrader, die sich mit Bilanzen, Kennzahlen und all diesem Zeug nächtelang beschäftigen haben in Physik die Kinetik und in der Ökonomie die Kreislauftheorie nicht verinnerlicht und suchen nach Erklärungsphänomenen und künftigen Absturzursachen: „Hausse wird in Tränen enden!“, so ihr Credo. Tatsächlich steht die Trading-Plattform Robinhood zunehmend in der Kritik. Besonders tragisch war der Selbstmord eines 20-Jährigen, der fälschlicherweise angenommen hatte, auf Robinhood über 700.000 Dollar in einem Wertpapier-Geschäft verloren zu haben. Daraufhin nahmen die Robinhood-Gründer Änderungen am Design des Portals vor. Klar, Corona kann die Realwirtschaft ausbremsen, aber müssen Real- und Finanzwirtschaft parallel laufen wie Kostos Parabel von Herr und angeleinten Hund suggeriert? Langfristig schon, aber Keynes, der ewige Zocker, hatte unbestreitbar recht, als er feststellte: „In the long run we are all dead“. Nur was ist von heute bis dahin, wollen wir der Straßenbahn immer nachschauen und auf den nächsten Zug warten? Mummy FED wird es auf Sicht richten und die EZB läuft ihr hinterher, aus der Nummer mit den niedrigen Zinsen kommen die Zentralbanken trotz Mahnungen der BIZ im nahen Basel nicht mehr heraus. Konsens besteht, dass die Inflation bei den Konsumgüterpreisen steigen wird, bei den Vermögensgüterpreisen für Aktien und Immobilien ist sie bereits nicht mehr wegzudiskutieren, egal ob die neuen Gamer das Verständnis hierfür haben oder nicht: Der Straßenbahn wird nicht nachgeschaut, sondern hinterhergelaufen und auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Wo wird gezockt? Im DAX wahrscheinlich nie und nimmer: In Deutschland und Europa sind nur die alten Technologien zu Hause mit starken Gewerkschaften und hohen Datenschutzstandards, hier wird verwaltet, es geht alles Richtung Planification gem. Frankreich, gem. Macron. Johnsons England sollte sich da nicht unterbuttern lassen und ohne Vertrag das sterbende Europa und damit das Weite vor Nowabo und Eskens suchen. Die Post geht im sonnigen Kalifornien ab. Der Nasdaq 100 hat in den letzten 10 Jahren regelmäßig 30 % gemacht und wer vor 10 Jahren mit einem Euro eingestiegen ist hat heute fünfeinhalb Euro, die Performance liegt bei gut 450 %. Wie gesagt, Mummy FED muss weiter Milch bzw. Cash liefern und sie liefert: So ist die Bilanz der US-Notenbank seit Mitte März bereits um 3.000 Milliarden US-Dollar gewachsen. Im gleichen Zeitraum hat auch die Marktkapitalisierung des S&P 500 um 3.000 Milliarden US-Dollar zugelegt. Starke monetäre Indikatoren wie das Wachstum der M1-Geldmenge in den USA von 33 Prozent sind ein wichtiger Grund, warum die Kurs-Gewinn-Verhältnisse an den Aktienmärkten zuletzt so gestiegen sind. Aktien so überbewertet wie seit 1998 nicht mehr. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 29 sind die Technologie-Aktien im Vergleich zum breiten Aktienindex S&P 500 und dessen Wert von 22 eher hoch bewertet, der DAX liegt bei 18: beachte: Fraglich ist, ob in diesen Zahlen Corona voll eingetütet ist, wahrscheinlich nicht. Gleichwohl haben viele Fondsmanager ihre Barmittel stark reduziert und investiert und Technologie ist besonders gefragt. Aktien sind alternativlos! Übrig bleibt für den nach Rendite suchenden Anleger nur noch der Aktienmarkt. Und so sind alle gezwungen, Aktien zu kaufen. Die professionellen Investoren kaufen Aktien dieser Tage nicht mehr in erster Linie, weil irgendeine Bewertungsformel es so sagt. Nein sie kaufen sie, weil es kaum noch Alternativen gibt und denken sich hinterher eine Bewertungsformel aus, um ihr Handeln Nachgang zu rationalisieren. Lenny Fischer nennt das im „ZASTER“ die Theorie des relativen Bullshits. Und dieser Theorie folgend sind Aktien relativ weniger Bullshit als die anderen schlechten Alternativen. Darum werden sie gekauft. Punkt. Wichtig ist, dass Trump bleibt, Biden will den Großen des Silicon Valley an den Kragen und deren Marktmacht begrenzen. Ein paar Wermutstropfen zum Schluss, Übermut ist ja bekanntlich die Steigerung von Mut, den man ja an der Börse braucht: Wirtschaftsgeschichte braucht man zum Verständnis der Gegenwart: Die älteren Zocker erinnern sich und die jüngeren sollten mal einen Blick in Wikipedia werfen: Trotz der Corona-Pandemie befinden sich Technologieaktien derzeit insgesamt in der Nähe ihrer Rekordniveaus. Vor zwanzig Jahren schickte das Platzen der „Dotcom“-Spekulationsblase im März 2000 die Aktienmärkte auf eine lange Talfahrt. Besonders deutlich ging es damals für die sogenannten Technologie-, Medien- und Telekommunikationsaktien abwärts. Das Kurstief wurde erst drei Jahre später im März 2003 erreicht. Damals waren Aktien so populär gewesen wie nie zuvor. Die Manie hat dann in den Jahren 1997 bis 1999 ihren Höhepunkt erreicht. In dieser Zeit hatte sich allein der Nasdaq-100-Index in seinem Wert verfünffacht. Von März 2000 an bis zum Jahr 2003 verlor dieses Technologiebarometer dann 84 Prozent an Wert. An den Aktienmärkten wurden dabei mehr als 16 Billionen Dollar an (Schein-)Werten vernichtet. Der Nasdaq brauchte dann bis 2006 um wieder an 2000 anzuschließen. Die Finanzmärkte haben sich von der Marktwirtschaft seit der Lehmannpleite vor 10 Jahren verabschiedet und verstarben dann in der Woche des 16. März auf dem Höhepunkt der Coronakrise: Todesursache? Die massive Injektion von Liquidität der Zentralbanken. Im Ergebnis dieses Geldrauschs verstarb der Markt friedlich im Schlaf und übrig blieb nur die Wirtschaft. Die gute Nachricht ist, dass wir uns endlich von dem Verlangen befreien können, marktwirtschaftliche Erklärungen für das Verhalten der Börsen finden zu müssen. Damit können wir uns nun auf die Realität und nicht das Märchen konzentrieren, um die Preisentwicklung zu verstehen. Was tun? Schauen Sie sich doch in einer ruhigen Stunde mal die Blackrock-ETF auf den Nasdaq 100 und den S&P 500 Informationstechnologie an und vergleichen deren Performance über die letzten 10 Jahre mit der Ihrigen. Ich schätze: Dann rufen Sie Ihren Banker zur Schlussbesprechung an und eröffnen per Gesichtserkennung ein Depot bei Trade Republic.

Wie immer an dieser Stelle ein paar Bonmots zum Aktienmarkt:

„Die meisten Leute interessieren sich für Aktien, wenn alle es tun. Die beste Zeit ist aber, wenn sich niemand für Aktien interessiert.“ (Warren Buffet, alte Theorie)

„Märkte können länger irrational bleiben als Sie solvent bleiben können“ (John Maynard Keynes)

„Der Markt hat immer Recht“, auch wenn er, vgl. oben, nicht funktioniert.

In unserem aktuellen Sonderrundschreiben zur Corona-Krise haben wir wiederum die aktuellen fiskalpolitischen Maßnahmen im Sinne von Keynes zur Krisenbekämpfung aufgelistet, alle Sonderrundschreiben sind auf unserer Homepage einsehbar.

Sind Ihre Umsätze als Unternehmer in den Monaten April und Mai gg. Vorjahr erheblich eingebrochen, kommt eine Überbrückungshilfe bis zu maximal € 150.000,00 für Sie in Frage, kontaktieren Sie uns hinsichtlich der Antragstellung, die Sie selber nicht vornehmen können. Unsere Dienste unterliegen auch der Förderung.

Auch in Deutschland ist eine riesige Insolvenzwelle zu erwarteten bei dem nicht jeder eine Chefbehandlung wie die Lufthansa erwarten kann. Prüfen Sie, ob Sie, wenn ihnen das Geld auszugehen droht, nicht das Schutzschirmverfahren nutzen wollen. Auch hier bleiben Sie weiter „Geschäftsführer“, haben aber die besseren Karten eines Insolvenzverwalters um sich belastenden Ausgaben zu entledigen. Sie können sich neu aufstellen und Ballast für immer abwerfen.

Haben Sie Rentabilitätsprobleme bei Ihren Vermögensdispositionen, sei es mit dem Hintergrund Schweiz oder der geringen Höhe aufgrund der Bankenhonorare oder sind Sie hinsichtlich Ihrer Altersvorsorge, insbesondere Lebensversicherungen, unsicher? Lassen Sie sich von uns beraten. Für ein unverbindliches erstes Beratungsgespräch stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Wir beraten gegen Honorar und ohne Fixkosten, insbesondere behalten Sie hierbei die Verfügungsmacht und ihr Vermögen in der Hand und wir werden nicht von dem Produkteanbieter bezahlt.

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